Am 15.11.2021 streikten die Beschäftigten der AWO für eine gerechte Entlohnung. Im Folgenden dokumentieren wir die Rede des Genossen Dennis Simon zu den Streikenden.

 Liebe Kolleginnen und Kollegen,

ich möchte Euch im Namen des Landesverbandes Berlin der Deutschen Kommunistischen Partei ganz herzlich für die Einladung bedanken und unsere volle Unterstützung für Euren gerechten Arbeitskampf erklären.

Wir Kommunisten sagen, dass für die gleiche Arbeit der gleiche Lohn gezahlt werden muss. Vor dem Hintergrund, dass die AWO eine Organisation ist, die ihren Ursprung in der Arbeiterbewegung hat, können wir nicht nachvollziehen, dass die Geschäftsführung auf Lohndumping setzt.

2015 erkämpften die Beschäftigten des Wombat´s Hostel in Berlin gegen den Widerstand der Betreiber einen Betriebsrat für das Hostel, bis heute der einzige in Berlin. Vier Jahre versuchte das Management mit allen Mitteln dagegen vorzugehen, doch die Belegschaft blieb standhaft. Jetzt erklären die Betreiber dass sie unter diesen Bedingungen nicht weiterarbeiten wollen und das Hostel zum 31.08.2019 schließen werden. Sie beziehen sich ausdrücklich auf die Auseinandersetzungen mit dem Betriebsrat und die daraus entstandene "schlechte Presse". Vermutlich soll das Hostel nach der Schließung unter neuer Leitung, dann ohne Betriebsrat, weitergeführt werden. Das darf so nicht durchgehen.

Kommt zur Kundgebung am 12.05. ab 16 Uhr vor dem Wombat's City Hostel, Alte Schönhauser Str. 2, 10119 Berlin

 

Grundlagen und aktuelle Herausforderungen

 Die Grundlagen unserer Gewerkschaftsarbeit wurden – wen wundert es – von Karl Marx und Friedrich Engels gelegt. Beide beschäftigten sich nicht nur intensiv mit Fragen der theoretischen und programmatischen Entwicklung der Arbeiterklasse zu einer politischen Kraft, sondern auch mit Gewerkschaftspolitik und -organisation.

Sie erarbeiteten dabei Grundsätze aus, die bis heute aktuell geblieben sind. 1846/47 setzte Marx sich mit der Auffassung des französischen Sozialisten und Theoretikers des Anarchismus, Jean Pierre Proudhon, auseinander, wonach gewerkschaftliche Erfolge im Lohnkampf sinnlos seien, weil sie in der Regel schon kurzfristig wieder durch Preiserhöhungen zunichte gemacht würden. Marx wies in seiner Antwort auf den wahren Sachverhalt hin: „Das Steigen und Fallen des Profits und der Löhne drücken nur das Verhältnis aus, in welchem Kapitalisten und Arbeiter an dem Produkt eines Arbeitstages teilnehmen, ohne in den meisten Fällen den Preis des Produkts zu beeinflussen.“

Verteidigung und Erweiterung demokratischer Rechte bleibt eine Gegenwartsaufgabe - Rainer Perschewski in der UZ vom 11.01.2019

Die Novemberrevolution 1918 in Deutschland und mit ihr die Rätebewegung ist keine kurzfristige, auf wenige Monate begrenzte Erscheinung gewesen, mit denen ein paar Radikale – wie einige bürgerliche Geschichtsschreiber deutlichen machen wollen – Deutschland die sozialistische Sowjetrepublik aufdrücken wollten. Die Rätebewegung ist ein Ausdruck der Suche nach Selbstbestimmung der Werktätigen im Betrieb und in der Gesellschaft. Dafür spricht die rasante Verbreitung der Bildung von Arbeiter- und Soldatenräten im November 1918. Letztlich ist die Abdankung des deutschen Kaisers, die Beseitigung der Reste des Feudalismus und die Einführung von Rechten der Arbeiter- und Gewerkschaftsbewegung ohne die Macht der Räte nicht denkbar. Viele Veranstaltungen und Veröffentlichungen zur Novemberrevolution vermitteln dennoch den Eindruck, als wäre diese Entwicklung rasch vorbeigewesen. Zwar verloren die Arbeiter- und Soldatenräte schnell ihre bestimmende Macht, aber die Rätebewegung blieb in den ersten Jahren der Weimarer Republik eine einflussreiche Größe, mit der die Herrschenden rechnen mussten.

Was wissen wir über das Bewusstsein der Arbeiterklasse – und was heißt das für die Aufgaben der Kommunisten? Rainer Perschewski in der UZ vom 29.03.2019

„Düster“ – so fasst Rainer Perschewski seine Einschätzung zum Bewusstsein der Arbeiterklasse in unserem Land zusammen. Er hielt am vergangenen Wochenende, an dem der DKP-Parteivorstand diskutiert hat, wie die Kommunisten ihre Verankerung in den Betrieben stärken und zur Formierung der Arbeiterklasse zur handelnden Kraft beitragen können, das Referat. UZ dokumentiert leicht bearbeitete Auszüge.

Erstmals seit Jahrzehnten geht die DKP wieder konkrete Schritte, um ihre Betriebs- und Gewerkschaftsarbeit aufzubauen. In vielen Diskussionen oder Beiträgen der Vergangenheit um die Umsetzung der entsprechenden Beschlüsse des 21. und 22. Parteitags wird jedoch deutlich, dass es dringend geboten ist, sich mit den theoretischen Grundlagen rund um die Arbeiterklasse zu beschäftigen. Die Entwicklung der DKP seit 1987 hat in den letzten Jahrzehnten zu einer sinkenden Verankerung und einem eher theoretisierenden Umgang der Partei mit diesem Thema geführt. So können uns heute viele Genossinnen und Genossen theoretisch erklären, was „die“ Gewerkschaften alles falsch machen, wie „die“ Gewerkschaften eine Politik für die Arbeiterklasse machen müssten, ohne dabei selbst an real stattfindenden Kämpfen, geschweige denn an Aktionen und Debatten der Gewerkschaften beteiligt zu sein.